Vom Scan zur Repro – Ein kleiner Lehrgang – Teil 1 von 4
Hin und wieder kommt es vor, dass ein Kunde Aufgaben, die eigentlich in den Bereich des Grafikers fallen, selbst übernehmen möchte. Dagegen spricht eigentlich nichts. Im Gegenteil – der Kunde spart, wie er glaubt, Geld, und der Grafiker hat mehr Freizeit. Doch kann es mitunter vorkommen, dass man bei aller Mühe plötzlich feststellt, dass Grafiker offenbar doch nicht bloß „aufs Knöpfchen drücken“ müssen um ein annehmbares Resultat zu erzielen. Die Arbeit war also umsonst, weil das nötige Know-how fehlt. Das kostet unterm Strich Zeit und Geld. Warum also die Arbeit nicht gleich dem Profi überlassen?
In diesem kleinen Lehrgang möchten wir Ihnen einige wichtige Schritte erläutern, worauf Sie beim Scannen oder der Weiterverarbeitung von Dateien für den Druck achten sollten. Damit Sie auch in Zukunft wissen wovon Ihr Grafiker spricht …
Auflösungserscheinungen
Betrachten Sie ein Foto auf Ihrem Monitor doch einmal genauer. Wenn Sie genau hinschauen, können Sie sehen, dass sich ein Bild aus kleinen quadratischen Elementen zusammensetzt, den „pixel“. Die Begriffe „picture“ und „elements“ hat man der Einfachheit halber irgendwann einmal zur Neuschöpfung „pixel“ zusammengezogen. Ein digitales Foto ist also eigentlich nichts anderes als eine Ansammlung farbiger Pixel, die dicht beieinander liegen. Je dichter gedrängt sie beieinander liegen, desto kleiner sind sie und desto höher ist die Auflösung eines Bildes.
Die Auflösung eines Bildes bemisst sich grundsätzlich nach den Erfordernissen, heißt: Wofür benötigt man ein Bild? Fürs Internet, den schnellen Ausdruck auf dem heimischen Drucker oder für die Weiterverarbeitung in einer Druckerei. Um mit dem Einfachsten zu beginnen: Bilder für Monitoranwendungen (Präsentation und Internet) benötigen i.d.R. eine Auflösung von 72ppi. Benötigen Sie beispielsweise ein Bild für genau diesen Zweck und müssen es scannen, können Sie es bei einem Verhältnis von 1:1 (zu scannende Bildgröße : darzustellender Bildgröße) mit 72 dpi einlesen, da Monitore grundsätzlich ein Auflösungsvermögen von 72 ppi haben. Durch eine höhere Auflösung erhalten Sie, bezogen auf die Monitordarstellung, keine bessere Darstellungsqualität. Folge einer zu hohen Auflösung wäre lediglich ein ebenfalls zu hoher Speicherbedarf.
Einheitssalat
Und da tauchen auch schon die ersten Fragezeichen auf: dpi? ppi? Wo ist denn da der Unterschied.
Nun, um etwas Licht in diese Sache zu bringen:
dpi = dots per inch = Geräteauflösung von Scannern und Druckern
ppi = pixel per inch = Bild- oder Bildschirmauflösungen
Da die meisten Anwender und fast alle im Publishing verwendeten Programme den Begriff „dpi“ benutzen, ist es nicht sonderlich tragisch, wenn Sie „dpi“ statt „ppi“ verwenden. Bislang hat noch jeder verstanden was gemeint ist.
Und dann gibt’s noch die ominösen „lpi“:
Unter „lpi“ oder „lines per inch“ versteht man das Auflösungsvermögen für Halbtonraster*. In Deutschland heißen die lpi „lpc“, also lines per centimetre. Warum in Deutschland dpi und ppi in inch gemessen werden und lpi in Zentimeter weiß niemand so genau. Aber um lpc in lpi umzurechnen, müssen die lpc mit 2,54 multipliziert werden.
*Um es noch etwas deutlicher zu machen:
Im Druck wird ein so genanntes Druckraster verwendet. Dieses Druckraster definiert den Abstand der Rasterpunkte aus denen sich ein gedrucktes Bild zusammensetzt. Innerhalb eines gedachten Linienrasters werden die sichtbaren Rasterpunkte angeordnet. Gibt es nun weniger Linien pro Inch (oder Zentimeter), liegen die Rasterpunkte zwischen zwei Linien weiter auseinander, ist die Liniendichte höher, liegen die Rasterpunkte enger beieinander. Das Ergebnis dieser Vorgaben kennen wir: Bei einer Tageszeitung können wir die einzelnen Rasterpunkte mit bloßem Auge erkennen, weil sie so weit voneinander entfernt sind, bei einem Magazin müssen wir schon genau hinschauen bzw. eine Lupe zu Hilfe nehmen um die Rasterpunkte erkennen zu können.
Im nächsten Teil: Klare Verhältnisse – Wieviel dpi dürfen es den sein?
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Francis Collis

