True Type, Postscript oder Open Type? Teil 1

Gute Typografie ist von vielen Faktoren abhängig. Entscheidet man sich für eine bestimmte Schriftart, die z.B. im Corporate Design oder in hochwertigen Präsentationen zum Einsatz kommen soll, stellt sich relativ schnell die Frage ob man eine Type-1-Postscript- Schrift, einen True Type- oder einen Open Type-Font einsetzen soll. Vor allem: Wodurch unterscheiden sich diese verschiedenen Standards?

Postscript-/Type-1-Font
Um 1985 wurden von der Firma ADOBE viele Standards geprägt, die nach wie vor im Bereich des professionellen Desktop-Publishings eine wichtige Rolle spielen. So wurde u.a. auch die Möglichkeit geschaffen Schrift mit Hilfe von sog. Bézierkurven zu definieren. Dabei werden einzelne Buchstaben und Symbole als skalierbare Vektorgrafik beschrieben, was in der Darstellung natürlich eine höhere Qualität bedeutet als bei grob konturierten (Pixel-) Schriften, wie man sie noch aus den Anfängen des PC kennt.

Postscriptschriften gewährleisten die kantenglatte Darstellung eines Schriftzuges in tausendfacher Vergrößerung ohne Qualitätseinbußen.

Allerdings war das Handling von Postscriptschriften immer schon eine Wissenschaft für sich: Zur optimalen Darstellung auf dem Bildschirm und im Druck benötigt man i.d.R. zwei Komponenten: eine an die Darstellungsmöglichkeiten des Monitors angepasste sog. Bitmapschrift und eine auf die Interpretationsmöglichkeiten eines postscripfähigen Druckers zugeschnittene Outlineschrift.

Da die für die Monitordarstellung verwendeten Bitmapschriften lediglich als Rastergrafik aufgebaut sind – also nichts anderes sind als schwarz-weiße Pixel innerhalb eines Rasters, benötigt(e) man für die Bildschirmdarstellung Dateien, mit den wichtigsten, im Schriftsatz üblichen Punktgrößen (6, 10, 12, 14, 16…) um auch hier eine glatte Ansicht der Konturen zu gewährleisten. Später übernahm der Adobe Type Manager die Aufgabe aus einer vorhandenen Schriftgröße (z.B. 12pt) alle anderen Größen zu berechnen.

Für jeden „Schnitt“ einer Schrift (Regular/Normal, Bold/Fett, Italic/Kursiv, Bold Italic/Fett kursiv …) benötigt man mindestens eine Bitmapdatei und eine Outline-Datei. Fehlt eine der beiden Komponenten, treten Fehler in der Darstellung bzw. der Druckausgabe auf.

True Type
Aufgrund der Monopolstellung bzw. Patentpolitik von ADOBE und der Limitierung eines Type-1-Fonts auf 256 Schriftzeichen, wurde 1991 von APPLE True Type als neuer Standard in der Schriftdarstellung vorgestellt. Etwas später (wie immer icon wink True Type, Postscript oder Open Type? Teil 1 wurde True Type auch von Microsoft lizenziert und ist mittlerweile Bestandteil eines jeden Betriebsystems.

Eine True Type-Schrift besteht lediglich aus einer Outline-Datei, die sowohl für die Bildschirmdarstellung als auch für die Druckausgabe geeignet ist.

Der größte Vorteil gegenüber einer Postscriptschrift ist offensichtlich: Das Handling ist wesentlich einfacher. Allerdings waren (und sind z.T. immer noch) True Type-Schriften weniger professionell „gestaltet“ als Postscriptfonts. Stellt man zwei identische Fonts (z.B. Times) in einer Postscript- und einer True Type-Ausführung nebeneinander, wird man Unterschiede erkennen, die für einen Profi mitunter nicht akzeptabel sind.

Einen ganz wichtigen Unterschied sieht man beim Einsatz verschiedener Schnitte (s.o.): Bei einer True Type-Schrift ist man gewohnt, einem Buchstaben oder Wort einfach einen „Stil“ wie z.B. „Fett“ zuzuweisen. Dabei wird rund um den Buchstaben etwas mehr „Fleisch“ gelegt, so dass der Buchstabe oder das Wort insgesamt etwas „dicker“ aussieht. Bei einem sorgfältig erstellten Postscriptfont wird ein Schnitt mitgeliefert, der diese „Fettung“ schon enthält. Allerdings fällt auf, dass im Gegensatz zur „normalen“ Form nicht einfach rundum „Fleisch“ hinzugefügt wurde, sondern darauf geachtet wird, dass schlanke Anteile eines Buchstabens auch schlank bleiben. Ein Hinzufügen von mehr „Fleisch“ geschieht also immer proportional und in Hinblick auf die Gesamtkomposition eines Buchstabens bzw. die Harmonie in der Gestaltung.

Aber auch hier hat sich in den letzten Jahren natürlich viel getan. Professionelle True Type-Schriften verfügen mittlerweile auch über unterschiedliche Schnitte, die als einzelne Dateien vorliegen. In der Praxis steht der Schnitt einer Schrift qualitativ höher als ein zugewiesener „Stil“.

Während ein Apple Macintosh seit OS X keine Probleme hat Windows-Fonts zu erkennen und (per einfachem Doppelklick auf die Fontdatei) in das OS zu integrieren, wird der plattformübergreifende und vereinfachte Einsatz von Schriften unter Windows immer noch etwas nachlässig gehandhabt.

Eine Lösung verspricht das Open Type-Format, entwicklet von ADOBE und Microsoft.




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