Ist Twitter wirklich eine Traffic- und Umsatzquelle?

Donnerstag, 3. Dezember 2009 | Autor: Francis

Twitter-logo-150x150 in Ist Twitter wirklich eine Traffic- und Umsatzquelle?Twitter ist nach wie vor ein Thema und absoluter Mainstream. Von Seiten vieler Medien wird inzwischen, besonders den Unternehmen, sugeriert, dass wer nicht kräftig twittert, sich eine Traffic- und damit Umsatzquelle entgehen lässt. Weiterhin wurden im August 2009 im Rahmen einer Corporate-Twitter-Studie 53 deutsche Unternehmen und ihre Twitter-Aktivitäten untersucht. Das Ergebnis: Unternehmen sollen sich mit Twitter beschäftigen. Aha, tolle Aussage, na dann mal los.

Aber wer nach einiger Zeit und fleissigem twittern entäuscht das Handtuch wirft, muss sich nicht wundern, denn Twitter ist nur unter bestimmten Voraussetzungen ein Lieferant für qualitativ hochwertigen Traffic der sich im optimalen Fall in Conversions auszahlt. Für die große Mehrheit der Unternehmen ist Twitter jedoch eine absolute Zeitverschwendung. Gewagte These? Nun, kommt auf den Blickwinkeln an.

In der oben genannten Studie (und ähnlichen) wurde ein signifikanter Punkt nicht beachtet: Es ist nicht möglich die Social Media Aktivitäten größerer Unternehmen auf kleine Unternehmen zu übertragen. Eine One-Man-Shop-Show z.B. hat nicht die Ressourcen, die erforderlich sind, um mit Twitter erfolgreich sein zu können. Der Tag hat nur 24 Stunden und der kleine Unternehmer viele andere (wichtigere Dinge) zu erledigen, um sein Geschäft am laufen zu halten. Große Unternehmen jedoch besitzen den für Twitter erforderlichen Social Media Etat, die Man-Power und ein ROI-orientiertes Social Media Konzept. Das ist der Unterschied der zählt.

Ja, aber Twitter kostet doch nichts, höre ich oft. Falsch, Twitter kostet Zeit. Für den privaten Gebrauch ist der Faktor Zeit sicherlich zu vernachlässigen, im geschäftlichen jedoch nicht. Zeit ist Geld, das wusste auch schon Dagobert Duck.

Vor kurzen verfolgte ich bei Thomas eine nette Diskussion über das Thema Social Bookmarks als Traffic-Lieferant (Twitter kam im Laufe der Diskussion auch dazu). Es war interessant zu lesen, welche Ansätze verfolgt werden. Unter dem Strich ergab sich folgendes Resume: Wer im One-Man-Show-Stil bloggt oder einen kleinen Shop betreibt, dabei bookmarkt und twittert, freut sich natürlich über jeden Besucher der über die Dienste kommt – und das zurecht, versteht mich bitte nicht falsch. Hin und wieder, je nach Thema, kann es über einen SB-Dienst oder Twitter auch schon einmal verhältnismäßig große Traffic-Schübe geben. Groß ist dabei jedoch relativ, ob im kleinen Stil betrieben groß genug, um den Traffic in bare (lohnende) Münze umzuwandeln, halte ich für unwahrscheinlich. Der ein oder andere AdSense Klick oder evtl. auch ein Verkauf im Shop mag dabei sicherlich schon mal rausgesprungen zu sein, doch steht das in keinem Verhältnis zu dem betriebenen Aufwand.

Die gleiche Zeit in ein vernünftiges SEO und in guten Content investiert, bringt definitv mehr. Twittert man nur aus Spaß an der Freud’ und kann damit kleine Besucher-Erfolge verzeichnen, freut es natürlich den Twitterer und wie gesagt zu recht, es ist sozusagen eine virtuelle Entlohung (die jedoch keinen Kühlschrank füllen kann). Für alle anderen gilt: Überlegt euch gut wo Ihr eure Zeit investiert, denn Twitter erfolgreich zu bedienen erfordert weit mehr als ein wenig eurer Zeit und einer Handvoll Tweets am Tag.

Twittern kann sich lohnen, jedoch nur dann wenn die Traffic-Maschine entsprechend bedient wird. Ein Beispiel ist DELL: 600.000 Follower bescherten DELL zwischen 2007 und 2008 3 Millionen US-Dollar Umsatz. Im Vergleich zum Jahresumsatz 2007 von ca. 50 Milliarden US-Dollar ein kaum erwähnenswerter Posten. Wie? 3 Mille haben oder nicht haben ist kein erwähnenswerter Posten? Richtig, denn DELL hatte, um diese Zahl erreichen zu können, ein mehrköpfiges Social Media Team 24 Std. am Tag über einen langen Zeitraum im Einsatz. Nur so, und natürlich mit der Marke DELL im Nacken, war es überhaupt möglich einen Umsatz in dieser Höhe zu erreichen. Zieht man jedoch die gesamten Team-Kosten und was sonst noch so anfällt ab, behaupte ich einmal, bleibt nicht sehr viel übrig. Aber erst einmal egal, Twitter funktioniert, zumindest in diesem Rahmen.

Und nun noch einmal die Frage: Kann es ein einzelner Twitterer schaffen, ohne eigene Marke im Nacken, seinen Zeiteinsatz ins Twittern zu amortisieren? Antwort: Nur in absolut Lotto-Chancen ähnlichen Einzelfällen. Und nur zu Twittern weil es Trendy ist oder man meint es als Unternehmen tun zu müssen weil es die anderen auch tun ist … nun, das muss jeder für sich selbst entscheiden Icon Smile in Ist Twitter wirklich eine Traffic- und Umsatzquelle?

Twitter hat nach wie vor das Potential qualitativ hochwertigen Traffic generieren zu können. Twitter funktioniert jedoch nur wenn man es schafft, sich bei vielen vielen Followern einen Autoritäts-und Vertrauens-Status zu erarbeiten. Das funktioniert nicht von heute auf morgen und auch nicht mit 10 Tweets über die eine oder andere Neuigkeit des Tages. Es funktioniert jedoch recht gut, wenn man vorab die Rahmenbedingungen schaffen konnte, um Twitter als Marketing-Kanal professionell einbinden zu können. Dazu gehört wie gesagt mehr als ein Mann oder eine Frau und auch mehr als 1 Euro. Alles andere ist eine nette Spielerei im altbekannten Wohlfühlkreis, mit der Hoffung auf einige Replys und ein wenig Traffic. Das gehört für mich jedoch in die Kategorie Freizeit und hat nichts mit einer sinnvollen Investition zu tun.

Klar, ich twittere auch, zum Spaß und freue mich auch ein wenig über eine kaum erwähnenswerte Anzahl von Besuchern die mir Twitter auf dieses Blog und andere Projekte  beschert. Ich verfolge jedoch mit diesem Blog nicht das Ziel Geld zu verdienen und bei Blogs und anderen Projekten mit denen ich, neben meinem Job, Geld verdiene, überlege ich mir dreimal wo ich mein Marketing-Budget investiere. Eins ist jedoch sicher, nicht in Twitter, sondern in SEO und SEM Icon Smile in Ist Twitter wirklich eine Traffic- und Umsatzquelle?

Anders verhält sich das bei den von mir extern betreuten Social Media Kampagnen, wo ich als Consultant mit ins Boot geholt wurde. Wobei ich hier jedoch vorab erwähnen möchte, dass sich die Erwartungen einiger Unternehmen an Twitter schnell relativieren, nachdem sie von mir beraten wurden. Twitter ist auf keinen Fall ein funktionierender Marketing-Kanal für alle Unternehmen, denn es kommt u.a. darauf an ob Twitter zum einen überhaut in den Marketing-Mix passt und zum anderen ob dieser Marketing-Kanal entsprechend bedient werden kann. Passen die Vorausetzungen, oder ist zumindest die Bereitschaft vorhanden die Voraussetzungen zu schaffen, ist Twitter als Bestandteil des Marketing-Konzeptes ein sehr gut funktionierendes Tool.

Alles, wie ich einleitend schon sagte, ist ein Frage des Blickwinkels. Jedoch bleiben nüchtern Betrachtet nur drei Ansätze übrig: Ich twittere privat aus Spaß und freue ich über jeden Besucher, ich twittere gelegendlich geschäftlich (wenn Zeit da ist) im kleinen Rahmen just for fun aber ohne Erwartungen, oder ich bin für diesen Marketing-Kanal entsprechend aufgestellt, so dass sich die getätigte Investition in Twitter in einem gewissen Zeitraum auszahlt.  Alles andere ist vertane Zeit!

Fakten
Nur 18% der deutschen Unternehmen haben mehr als 1.000 Follower
10% der deutschen Konten produzieren 61% der Tweets
Follower-Durchschnitt deutscher Unternehmen: ca. 600
Tweets deutscher Unternehmen pro Woche: ca. 15
Tweets bei 100 Follower in 8 Std.: ca. 160

Das ein Tweet in diesem Rahmen für das Unternehmen gewinnbringend wahrgenommen wird, ist fast auszuschließen.

Fazit
Twitter ist für kleine Unternehmen der falsche Kanal. Twitter funktioniert für Unternehmen nur dann gewinnbringend, wenn die Mittel zur Verfügung stehen Twitter als weiteren Marekting-Kanal in den bestehenden Marketing-Mix gleichwertig integrieren zu können. Wie gesagt, es gibt wenige Ausnahmen, doch die sind definitiv nicht die Regel und die meisten “Twitter-Erfolgsgeschichten” kleiner Unternehmen liegen schon länger zurück – als Twitter noch ein Insider-Tipp war Icon Smile in Ist Twitter wirklich eine Traffic- und Umsatzquelle?




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Thema: Social Media |

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13 Kommentare

  1. Hallo Francis,
    ich kann dir gut Folgen wenn du die Begrenzung in der Twitterwelt so siehst. Doch selbst ich habe kleine Erfolge mit meinen Tweets zum Shop. Jeder besucher ist wichtig und wie du vielleicht gemerkt hast bin ich nicht sehr oft dort direkt.

    Nicht nur Dell hat es geschaft sondern auch OTTO. Ihr Service sowie ihre Follower geniessen es direkten Kontakt zu haben. Da hast du auch recht, denn sowas ist nur mit finanziellen Mitteln umzusetzen und für kleine Unternehmen nicht tragbar.

    Alles in allem ist der Kosten / Zeit Faktor für Leute wie mich nicht tragbar.

    Vielen Dank für die Analyse und dein Fazit.

    Gruß
    Thomas

  2. Hi Thomas,
    klar, gerade im kleinen zählt jeder Besucher, besonders bei Shops. Ich glaube jedoch, dass wenn Du die Zeit die Du in xx Tweets pro Woche steckst, in andere Dinge stecken würdest, der dadurch resultierende Traffic qualitativ hochwertiger ist.
    Ein paar Tweets hin und wieder schaden jedoch sicherlich nicht und tun keinem weh :-)

  3. Den Zeitaufwand kann man mit automatisierten Tweets doch recht gering halten. Ist klar nicht ganz so effektiv aber immer noch besser als zu sagen “Keine Zeit”. Die meisten Tweets von mir geschehen auch automatisiert und das bringt mir im Schnitt momentan zwischen 250 – 500 PI´s am Tag. Für “Keine Zeit” doch recht gut würd ich sagen. Die persönliche Kontaktpflege erfolgt eben immer nur dann wenn es die Zeit zulässt, das dies ausbaubar ist mit entsprechendem Budget, da geb ich Dir recht.

  4. @ Markus
    Das automatisierte posten von Tweets verschlingt keine Zeit, da gebe ich Dir natürlich recht und das bei Dir daraus PIs entstehen freut mich für Dich! Das hat jedoch nichts mit einer auf Twitter fokussierten Social Media Kampagne zu tun, die geziehlt darauf aus ist für ein Unternehmen hochwertigen Traffic und Conversions zu generieren. Aber wie ich in meinem Artikel schon sagte, es kommt immer auf den Blickwinkel an. Für ein Unternehmen, sagen wir einen Shop, müssen aber schon deutlich mehr Zugriffe generiert werden damit sich die Conversionrate sehen lassen kann. Das hat natürlich auch immer mit dem Produkt/Marke zu tun. Befinde ich mich in einer Nische, bzw. bin einer von ganz wenigen mit einem begehrten Produkt, steigt natürlich auch die Conversionrate bei kleinem Traffic.
    Aber jeder Traffic, der mit Null Zeitaufwand erreicht wird (wie bei automatisierten Tweets), ist natürlich immer gerne gesehen :-)

  5. Also der falsche Kanal würde ich nicht unterschreiben. Twitter kann ein mehr wert sein, wenn es um Social Medien geht, muss aber nicht ausschlaggebend für den Erfolg bedeuten. Mittlerweile bedienen die meisten Firmen verschiedene Kanäle wie FaceBook, Twitter usw. zugleich, womit man die größtmögliche Bandbreite abdecken kann.

  6. @SantaCruze
    Von einem falschen Kanal in Bezug auf Twitter wurde nicht gesprochen. Es kommt drauf an wie und mit welchem Ziel Twitter bedient wird und Facebook ist wieder eine ganz andere Schublade.

  7. Hallo Francis,
    ich sehe es wirklich als Traffic Maschine an Twitter zu nutzen. Auch meine Kommentare lasse ich Twittern, da der Traffic ohne Aufwand kommt.
    Zum Glück habe ich einige gut besuchte Artikel mit Kommentaren und dort entsteht dann ein starker Traffic alleine dadurch.
    In 10 Minuten bis zu 100 Lesern von Twitter, was für das Interesse spricht finde ich. So soll es sein, denn nichts ist für einen Blog besser wie Kommentare.

    Also lass unseren Traffic wachsen ;-)

  8. Hi Thomas,
    für Blogs kann sich Twitter, wenn man wie Du oder Markus die Artikel und die Kommentare automatisch posten lässt, also ohne Zeitaufwand, natürlich lohnen, zumindest in Traffic. Wenn sie dann auch noch fleissig auf die Werbung etc. klicken oder zu festen Besuchern werden umso besser. Siehe auch z.B. mashable.com, die leben ja fast ausschließlich vom Twitter-Traffic :-) .

  9. Hallo Francis,
    es gibt aber auch viele die sich beschweren. Wegen den Comments, doch dafür gibt es ja die Twitter-Listen. Für mich sind einige neue Leser dazugekommen, was mich natürlich freut.

    Klicken tun Dauerleser ja seltener, doch durch die vielen Kommentare kommen auch mehr Google Leser komischerweise. Bei denen habe ich ab und an mal Glück einen Klick zu bekommen.

    Doch für Umsatz in dem Sinne ist dieser Blog von mir nicht ausgelegt. Dafür habe ich noch 2-3 Andere. Diese werden auch getwittert und ich versuche so etwas von beidem zum bekommen.

    Mein nächstes Ziel ist es noch mehr Stammleser zu bekommen.

  10. Hi Thomas,
    echt, da beschweren sich welche weil Du deine Kommentare twitterst? Ist schon eine lustige Spezies … Aber 3 Millionen Spam Tweets werden von denen nicht beachtet :-)

    Stammleser und viele Kommentare sind die Basis und vor allem eine Auszeichnung für jeden guten Blog. Auf Umsatz ist dieser Blog auch nicht ausgelegt, da halte ich es wie Du. Und um viele Stammleser zu sammeln muss man fleissig fleissig bloggen, dafür fehlt mir in hier leider die Zeit, obwohl es mich doch schon hin und wieder in den Fingern kribbelt mich intensiver um diesen Blog zu kümmern … aber liebe Zeit.

    Habe eben Deinen Post zu Thema “Page Speed Ranking” :-) gelesen, das ist noch was für meine Bookmarks der Woche mit dem Thema Google. Packe ich gleich noch mit rein :-)

  11. Aber für Websites welche sowieso viele News posten und diese auch als RSS anbieten empiehlt es sich aufgrund des geringen aufwands schon, die Meldungen direkt bei Twitter einzuspeisen. Bin aber auch der Meinung, dass wer Twitter kommerziell einwandfrei nutzen will im Moment mehr investiert als das rauseholt wird.

  12. Insofern es automatisert läuft, wie gesagt, kein Thema. Das bei einer kommerziellen Twitter-Nutzung z.Z. mehr investiert als rausgeholt wird, kann ich nicht unterstreichen. Es kommt immer sehr stark auf die Produkte und ggfls. auf die dahinter stehende Marke an. Mit entscheidend ist sicherlich auch die “Investitionsfreude” bzw. das Budget, die Laufzeit sowie die Gewichtung innerhalb eines evtl. schon bestehenden Social Media Konzeptes. News posten alleine hilft da nicht wirklich …

  13. Hi Francis,
    schon eine ganze Weile war ich nicht mehr in deinem Blog:(. Also, mann war das ein langer Beitrag, aber fast bis zum Schluss gelesen.

    Ich stellte auch fest, dass man bei Twitter ja nicht festsitzen darf, da man sonst auch als Privatperson am Tage nichts mehr schaffen wird. Wie Markus es schon erwähnte, eine automatisierte Tweet-Erstellung ist hier eine gute Lösung.

    Jedoch um das Vertrauen der Follower zu gewinnen, kommt man nicht drumherum, als Mensch mit eigenen Texten zu twittern und miteinander zu kommunizieren. Dafür sind etliche Stunden am Tag nötig.

    Twitter-Monetarisierung hin oder her, ausser Magpie kann man da derzeit nichts machen bzw. ist mir aktuell etwas anderes funktionsfähiges nicht bekannt. Und Magpie muss meiner Meinung nach den eigenen Bestand der Kunden erst ordentlich aufstocken, damit es sich auch für die mitmachenden Twitterer rentiert.

    Eine Riesen-Marketinggeschichte ist Twitter in DE auch in meinen Augen nicht, aber ich freue mich wie viele andere twitternde Blogger über jeden von Twitter kommenden Besucher. Das wars auch schon:).

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